Kein Platz für Thilo Sarrazin

Kein Platz für Thilo Sarrazin

Von Jascha Huschauer

Intelligenz ist vererbbar; Muslime sind nicht intelligent, bekommen aber viele Kinder; Also wird Deutschland verdummen. So lautet ganz knapp die These Thilo Sarrazins, die er in einem Buch und in etlichen – auch sonst sehr seriösen – Medien äußern darf. Sarrazin ist Vorstand der Bundesbank und damit höchstbezahlter Staatsdiener mit einem Jahresgehalt von 220.000 Euro. Außerdem ist er so wie ich Mitglied der SPD.

Im fünf Seiten langen Vorabdruck den der Spiegel letzte Woche veröffentlichte äußert Sarrazin die Angst aufgrund der derzeitigen Demografie würden „Staat und Gesellschaft im Laufe weniger Generationen von den Migranten übernommen“. Vorher äußert er die Forderung Deutschland müsse säkular und demokratisch bleiben und die Menschenrechte achten. Im Zusammenspiel bekommt der Leser das Gefühl Deutschland stehe aufgrund der Gefahr der Migranten kurz davor sämtliche Grundwerte zu verlieren. Abgesehen vom rassistischen Gehalt dieser Aussage, ist das schlichtweg falsch. Der Vorsitzende der Neusser Jusos, Michael Ziege, ist in Starij Oskol geboren, der stellvertretende Vorsitzende Jascha Huschauer hat einen österreichischen Vater und der Kassierer Mirza Kehonjic ist bosnischer Herkunft. Stehen die Jusos also für die Abschaffung der „kulturellen Identität des europäischen Abendlandes“? Im Gegenteil – die Neusser Jusos setzen sich sogar aktiv für die Grundwerte unserer Verfassung ein.

Noch abwegiger werden Sarrazins Thesen wenn er über die Vererbung von Intelligenz referiert. Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern, auf deren Arbeit sich Sarrazin bei seiner These stützt widerspricht seiner These entschlossen und attestiert Sarrazin Grundlegendes über Erblichkeit von Intelligenz nicht verstanden zu haben.

Auch seine Diffamierenden Äußerungen über die Inanspruchnahme von Sozialleistungen durch Muslime ist statistisch nicht haltbar. Die Bundesagentur für Arbeit darf die religiöse Orientierung der Empfänger gar nicht erheben.

Den Deckmantel der Sachlichkeit nutzt Sarrazin jedoch um seine rassistischen und zuweilen antisemitischen („alle Juden teilen ein Gen“) Botschaften unters Volk zu bringen und sich als großer Tabubrecher zu feiern. Nebenbei schlägt er noch Maßnahmen vor die sogar Law-and-Order Politikern wie Roland Koch – einem Fan der Bootcamps – zu weit gehen.

Sarrazins Auftreten trägt die Gefahr in sich Ausländerfeindlichkeit wieder hoffähig zu machen. Dieser Gefahr muss man offen und entschlossen entgegentreten. Als Mitglied der SPD und patriotischer Bürger dieses Landes schäme ich mich für mein Land und meine Partei, dass sie einen Rassisten sarrazinscher Art erdulden.

Bundesbank und SPD gehören zu den wertvollen demokratischen Einrichtungen dieser Republik und geben dieser ein Gesicht. Um so erstaunlicher, dass das Bild von Bundesbank und SPD zur Zeit von den rassistischen Aussagen des Thilo Sarrazin geprägt ist. Weder SPD noch Bundesbank können das nicht länger erdulden und sollten Sarrazin so schnell wie möglich los werden. Die Freiheit (auch die Meinungsfreiheit) des Einzelnen muss enden, wo sie die Würde des Anderen verletzt.

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